Das Geheimnis der ersten neun Monate

Gerald Hüther, Psychiatrische Klinik, Universität Göttingen

Vorgeburtliche Einflüsse auf die Gehirnentwicklung
Unsere frühesten Prägungen

Autor: Professor Dr. Gerald Hüther, Inge Krens
Verlag: Walter Verlag
Preis: € 14,90
Umfang: 40 Seiten
ISBN: 3-53042188-X

Einleitung
Um die von den Eltern in Form genetischer Programme übernommenen Anlagen optimal entfalten zu können, brauchen die Nachkommen aller vielzelligen Organismen einen geschützten, von äußeren, störenden Einflüssen weitgehend abgeschirmten Raum. Das gilt insbesondere für all jene Lebewesen, deren Hirnentwicklung und deren Verhalten nicht durch starre genetische Programme determiniert wird, sondern deren genetische Programme so beschaffen sind, dass sie nachträgliche Veränderungen der das Verhalten bestimmenden neuronalen Verschaltungsmuster zulassen. Die fortschreitende Öffnung der ehemals starren genetischen Programme eröffnete die Möglichkeit für die Fähigkeit, die dem Denken, Fühlen und Handeln zugrundeliegenden biologischen Strukturen verändern – also noch etwas hinzulernen – zu können. In dieser Fähigkeit zu immer neuen Anpassungsleistungen lag aber auch eine Gefahr. Da die genetischen Programme nicht mehr genau festlegten, wie sich das Nervensystem zu entwickeln hatte, mussten andere Regelmechanismen gefunden werden, die diesen Prozess lenkten. Deshalb gewannen die von den jeweiligen Eltern bereits pränatal (als charakteristische intrauterine Entwicklungsbedingungen) und wahrscheinlich in noch stärkerem Maß postnatal (als familiär tradierte nachgeburtliche Entwicklungsbedingungen) festgelegten Rahmenbedingungen eine wachsende Bedeutung als Regulatoren von Genexpression und zellulären Differenzierungsprozessen.

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