Die viel beachtete Ausstellung über die Arbeit für und mit behinderten Menschen im Landkreis Sonneberg ist nun auch in der Außenstelle des Landratsamtes in Neuhaus am Rennweg eröffnet worden.

Sehr herzlichen Dank an Frau Landrätin Christine Zitzmann, dass ich die Ausstellung organisieren und durchführen durfte. Besonderer Dank geht an die Aussteller und an die Staatliche Förderschule für Geistigbehinderte “Apelsbergschule” Neuhaus am Rennweg für das wunderbare Cathering und die erfolgreiche Aufführung des Theaterstückes.
Meine herzliche Hochachtung für das Organisieren und Durchführen dieser Ausstellung.
Ich habe heute noch Bilder und Erfahrungen deiner Ausstellung im Kopf. Besonders liebevoll denke ich an einige Briefe dieser herausragenden Menschen die uns “Normalen” einen Blick in Ihr Leben schenkten.
Manchmal empfinde ich Mitleid oder Ähnliches für diese Menschen bis man sich besinnt und merkt, dass dieses Mitleid besser für einen Großteil der “Normalen” Menschen angebrachte wäre.
Von der Art des Lebens,
von der Glückseligkeit,
von der Großzügigkeit und
von der Dankbarkeit ans Leben -
dieser Mensche, sollte sich eben dieser Großteil eine gewaltige Scheibe abschneiden. Deine Ausstellung zeigte mir wiedermal auf Eindrucksvollste Weise, dass die Menschen die hinter der Ausstellung stehen mehr Dankbarkeit, Anerkennung und Liebe im Herzen tragen als viele andere.
1. Ausstellungseröffnung mit vielen Gästen im Landratsamt Sonneberg am 5. Mai 2009.
Integration
“Es ist normal, verschieden zu sein”
Ausstellungseröffnung zum europaweiten Protesttag für die Gleichstellung Behinderter
Von Redaktionsmitglied Ully Günther
Sonneberg – Während der 1. Mai längst als ein besonderer Tag im Bewusstsein der Menschen verankert ist, soll das der 5. Mai erst noch werden. Im Jahr 1992 wurde dieser 5. Mai geadelt: Damals rief Disabled People International (eine internationale Vereinigung körperbehinderter Menschen) den Tag als europaweiten Protesttag zur Gleichstellung Behinderter aus. Seitdem laufen Jahr für Jahr am 5. Mai quer durch Europa Fachveranstaltungen, Aktionen, Demonstrationen, die das Recht behinderter Menschen einfordern, als ein Teil der Normalität wahrgenommen und behandelt zu werden, als ein Teil, der zu uns allen gehört.
Richard von Weizäcker, der ehemalige Bundespräsident, hat diese angestrebte Empfindung von Normalität einmal in die prägnante Formel gegossen: “Es ist normal, verschieden zu sein.” Erst dann, wenn dieses Empfinden in Köpfe und Herzen der Menschen eingezogen ist, wird der 5. Mai seine Mission erfüllt haben.
Die Normalität solcher Verschiedenheit lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. “12 Prozent der Bevölkerung in Thüringen sind behindert, sechs Prozent davon schwer”, berichtete gestern im Landratsamt Sonneberg der Thüringer Landesbehindertenbeauftragte Paul Brockhausen. Der Mann ist selbst an den Rollstuhl gefesselt. Manchmal komme er eben nicht ins Kino oder ins Theater, weil man Menschen wie ihn dort entweder nicht haben wolle, weil sich vielleicht die anderen gestört fühlen könnten oder weil es einfach zusätzlichen Aufwand bedeuten würde ihn, den Rollstuhlfahrer, unterzubringen.
“Es kommt durchaus vor, dass ich keinen Platz habe,” berichtet Brockhausen über solche Erfahrungen des Ausgegrenzt-Werdens, die er mit ungezählten anderen behinderten Menschen teilt. Sie sind eben noch lange nicht ein selbstverständlicher Teil dieser Gesellschaft, auch wenn inzwischen 50 Länder die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen ratifiziert haben.
Es sei wichtig, behinderte Menschen als Teil unserer Gesellschaft zu begreifen, sie einzubinden in Dorfgemeinschaften, Schulen, Vereine, Familien, das Alltagsleben, sagt Brockhausen. “Das bringt beiden Seiten viel. Die Behinderten blühen auf und die Nichtbehinderten lernen Lebenserfahrung.” Sie lernen jene Toleranz, die den anderen in seinem Anderssein akzeptiert und schätzt, und damit die eigentliche Basis aller Menschlichkeit und Zivilisation darstellt.
Menschen können sich nur näherkommen, wenn sie das Anderssein des anderen nicht von vornherein verurteilen oder ablehnen, sondern versuchen ihn in diesem Anderssein kennenzulernen. Wie eigentlich ist der andere? Wie lebt er? Wie fühlt sich dieses fremde Leben an?
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Kleine Dinge mit großer Bedeutung
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Auch um solche Fragen kreist die Ausstellung, die Landrätin Christine Zitzmann gestern zum 5. Mai feierlich im Landratsamt eröffnete. Die Tafeln dieser Ausstellung sind insofern spektakulär, weil auf ihnen die Behinderten im Landkreis sich vorstellen, mit Bildern, Berichten, Fotos, Briefchen. Die behinderten Menschen zeigen allen, die sich dafür interessieren, wie sie leben. Sie präsentieren ihre Zimmer, ihre Arbeitsstätten, ihre Freunde, ihre Welt. Und es stellt sich die Frage: Wer von den Nichtbehinderten brächte einen solchen Mut auf?
Zum Beispiel hat Heike auf der Ausstellungstafel des Wohn- und Pflegeheimes für geistig behinderte Menschen in Mupperg einen mit einer Sonne, mit Herzchen und Blümchen verzierten Brief geschrieben. Darauf steht: “Hallo, ich heiße Heike. Ich wohne seit zwei Jahren in Mupperg. Ich habe ein Einzelzimmer ganz nach menem Geschmack eingerichtet. So wie es mir gefällt. Meine Krankheit heißt Epilepsie, deshalb trage ich auch einen Schutzhelm, damit mir nichts passieren kann.” Über ihrem Brief hängt ein Bild, das Heike in ihrem Zimmer zeigt. Darunter wünscht sie allen Besuchern viel Spaß bei der Ausstellung im Landratsamt.
Wie wichtig diese Ausstellung, dieser 5. Mai für alle behinderten Menschen ist, für jene kaum beachteten zwölf Prozent in dieser Gesellschaft, war gestern im Landratsamt auf Schritt und Tritt zu spüren. Zum Beispiel als die Theatergruppe der Schule am Apelsberg ein kleines Stück über die Verschiedenheit der Menschen aus den verschiedenen Kulturen dieser Erde präsentierte. 30 Schüler zwischen 11 und 21 Jahren besuchen am Apelsberg in Neuhaus das Förderzentrum für geistig Behinderte. 13 der Schüler spielen einmal pro Woche Theater. Gestern im Landratsamt traten sie vor großem Publikum auf, sichtlich begeistert, gerührt, ja tief beglückt von diesem seltenen Gefühl, einmal im Mittelpunkt des Interesses stehen zu dürfen. 70 Gäste applaudierten am Ende der Aufführung und Caroline Steiner, eine der jungen Schauspielerinnen, war davon so ergriffen, dass sie herzzerreißend weinen musste.
So schön also kann es für einen behinderten Menschen sein, wenn man sich ihm einmal zuwendet. Noch schöner als für alle Nicht-Behinderten, für die es ja im Prinzip auch nichts schöneres gibt als ein bisschen zwischenmenschliche Wärme. “All diese kleinen Dinge haben für jeden behinderten Menschen eine sehr große Bedeutung”, sagte Landrätin Christine Zitzmann bei der Ausstellungseröffnung. Im Lauf der Veranstaltung konnte jeder sehen, wie recht sie damit hatte.
Quelle: Freies Wort Sonneberg